Am 17. Juni 2012 ist Weltwüstentag: Wie eine Plantage Regen in die Wüste bringen könnte

Am 17. Juni 2012 ist Weltwüstentag: Wie eine Plantage Regen in die Wüste bringen könnte

Blühende Landschaften, mildere Temperaturen und vielleicht sogar Regen: Mit einem Computermodell erforschen Meteorologen von der Universität Hohenheim, unter welchen geographischen Voraussetzungen sich die Wüste durch Parzellen begrünen lässt und wie sich dadurch das regionale Klima verändert.

Noch ist es nur ein Computermodell: Prof. Dr. Volker Wulfmeyer, der Leiter des Instituts für Physik und Meteorologie an der Universität Hohenheim, hat virtuelle Plantagen mit den äusserst genügsamen Pflanzen Jojoba und Jatropha angelegt mitten in der Wüste. Ihre Sprösslinge lassen sich auch in der Realität im Wüstensand aussäen , sagt er Forscher. Mit moderater Bewässerung wachsen und gedeihen sie trotzdem und schaffen sich so ihr eigenes Biotop.

Die Simulationen hängen aber nicht in der Luft sondern werden durch Ergebnisse gestützt, die schon jetzt durch Messungen an real existierenden Plantagen in Luxor (Ägypten) und in der Negev-Wüste (Israel) durchgeführt werden.

Das Modell simuliert, wie die virtuelle Plantage die Temperatur und die Feuchte der Ätmosphäre ändert. Durch die Änderungen der lokalen Gegebenheiten kann sogar die erste Voraussetzung für Wolkenbildung gegeben sein. Vor allem in Küstennähe ist die Luft in der Wüste gar nicht so trocken wie man denkt , erklärt Prof. Dr. Wulfmeyer. Dort liegt die relative Luftfeuchtigkeit oft sogar bei 30 oder 40 Prozent. Ein einfacher Effekt könnte dann tatsächlich für Regen mitten in der Wüste sorgen: Über Wäldern und Plantagen erhitzt sich die Luft stärker als über dem unbewachsenen Sandboden sagt Prof. Dr. Wulfmeyer. Unser Modell zeigt, dass so kleinräumige Temperaturunterschiede entstehen. Sie verursachen nicht nur Wind, sondern führen auch dazu, dass sich Wolken bilden und schliesslich Regen fällt.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Bisher ist völlig unklar, welche Entfernung zum Meer oder Gebirgen die besten Voraussetzungen bietet , erklärt Prof. Dr. Wulfmeyer. Ebenso unklar ist, wie die Effekte von der Form und der Grße der Plantage oder des Waldstücks abhängen. Uns interessiert auch wie viel Kohlendioxid von Wäldern und Plantagen gebunden und wie viel Bioenergie durch die Früchte produziert werden kann.

Praktische Bestätigung für seine Computermodelle bekommt Prof. Dr. Wulfmeyer aus Israel. Dort haben Wissenschaftler schon vor Jahren einen etwa 30 km ² grossen Pinienwald in der Negev-Wüste gepflanzt.

Die Anpflanzung trägt sich selbst durch 100 bis 200 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Simulationen durch Computermodelle haben die israelischen Forscher aber nicht geliefert: Sie haben gezeigt, dass es geht , sagt Prof. Dr. Wulfmeyer, aber es soll nun geklärt werden, warum und wie man den Einzelfall übertragen kann und wie der Wald selbst nun die Niederschlagsmengen beeinflusst.

Wüstenwälder könnten das überregionale Klima beeinflussen

Eine weitere Frage muss laut Prof. Dr. Wulfmeyer ebenfalls genau untersucht werden: Bislang erzeugen wir in unseren Computermodellen nur kleinräumige Effekte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Wüstenwälder ab einer bestimmten Grße auch das überregionale Klima beeinflussen , warnt er.

Ein Fokus der Computersimulation liegt deshalb auch auf diesem Effekt: Wir müssen unbedingt wissen, wo die Obergrenze liegt.

Ingesamt soll dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zur Mitigation des Klimawandels durch die kombinierte Erforschung des lokalen Klimas, der Kohlenstoffbindung und der Produktion von Bioenergie liefern, so Prof. Dr. Wulfmeyer.

Quelle: Universität Hohenheim

Hinterlasse einen Kommentar


sieben + 3 =