Naturphänomen: Geologen entdecken lebende Tropfsteine im Allgäu

Lebende  Tropfsteine  im Allgäu entdeckt Quelle: LfU

Lebende Tropfsteine im Allgäu entdeckt Quelle: LfU

Geologen haben bei Kempten (Lkr. Oberallgäu) in einem alten Heilwasser-Stollen lebende Tropfsteine entdeckt. Gallertartige milchig-weisse Fäden bedecken die gesamte Decke und Schleim überzieht dick alle Wände des unterirdischen Stollens , so beschreibt Roland Eichhorn, Chef-Geologe am Landesamt für Umwelt, das ungewöhnliche Naturphänomen in Sulzbrunn. Die Hydrogeologen stiessen auf die exotischen Tropfsteine bei der routinemässigen Beprobung der dortigen unterirdischen Jod-Quelle. Bei den Glibber-Fäden und dem schleimigen Belag handelt es sich um einen so genannten Biofilm, der von stäbchenförmigen Bakterien gebildet wird. Diese sind offensichtlich durch die sehr speziellen Lebensbedingungen in dem Heilwasser-Stollen gewachsen. Eichhorn: Das Heilwasser muss Gesteine durchströmt haben, die sehr jodreich sind. Das könnten z.B. Meeresablagerungen sein, in denen lokal viele Algen versteinerten. Denn Algen können sehr jodreich sein.

Das vermutlich aus grßerer Tiefe aufsteigende Quellwasser wurde noch vor 60 Jahren im ehemaligen Jodbad Sulzbrunn für Heilzwecke genutzt. Die gemessene Jodkonzentration in dem Quellwasser beträgt 20 Milligramm je Liter. Das bedeutet, dass bereits ein Liter dieses Heilwassers das Hundertfache des täglichen Jodbedarfs eines Menschen enthält. Den Bakterien dienen die mit dem Quellwasser aufsteigenden Gase wie z.B. Methan als Nährstoffquelle. Die ungewöhnlichen Umweltbedingungen an der unterirdischen Jod-Quelle haben die einmalige Naturerscheinung bewirkt. Biofilme sind älteste Lebensformen, die bereits vor 3,25 Milliarden Jahren existierten. Die Herkunft des Jods ist für Heilzwecke von Interesse; Jod-Unterversorgung verursacht beim Menschen Schilddrüsen-Probleme und Kropf.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

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