Die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln hat noch einige Schwächen. So braucht zum Beispiel Milch, die von Kühen, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden, nicht gekennzeichnet werden. So bekommt man gentechnisch beeinflußte Nahrungsmittel ohne Kennzeichnung durch die Hintertür.
Nun hat die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) angekündigt, auf EU-Ebene einen Vorstoß für eine neue Gentechnik-Kennzeichnung zu machen. Wenn Tiere zum Beispiel Futter aus gentechnisch veränderten Pflanzen fressen, müssten Produkte dieser Tiere dann eine Gentechnik-Kennzeichnung tragen.
Der Verbraucher bekommt so eine Möglichkeit besser zu entscheiden, ob er mit dem Kauf den Anbau von Gentechnik-Pflanzen unterstützen wolle. Bisher war die Kennzeichnung “ohne Gentechnik” freiwillig möglich. Wo Gentechnik drin stecke, müsse das auf dem Produkt stehen, meint auch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) Professor Matthias Horst. Seine Branche wolle Transparenz.
Alle Produkte, die in irgendeiner Form mit Gentechnik Kontakt hatten, sollten einen entsprechenden Hinweis auf dem Etikett tragen. Auch die Futtermittelwirtschaft bevorzugt eine komplette Prozess-Kennzeichnung. Damit würden auch Produkte eine Gentechnik-Kennzeichnung tragen, die mit Hilfe von im Labor gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden. Jahrelang hatte die beteiligte Wirtschaft versucht, den Verbrauchern die Vorzüge, die man von der Gentechnik erwartet, schmackhaft zu machen. Quasi umsonst. Man musste einsehen, so Dr. Claudia Döring vom Deutschen Raiffeisenverband, dass Verbrauchereinstellungen zur Grünen Gentechnik vollständig resistent gegenüber kommunikativer Einflussnahme seien.
Mehr Akzeptanz durch Kommunikation sei nicht zu erwarten und eine persönliche “Erfahrung” mit der Gentechnik sei ja nicht möglich, so lange es keine gekennzeichneten Lebensmittel gäbe. Ähnlich sieht das auch die Lebensmittelindustrie. Derzeit müssen tierische Lebensmittel wie Milch, Eier oder Fleisch nicht gekennzeichnet werden, wenn die Tiere gentechnisch verändertes Futter erhalten haben. Das gilt auch für Zusatzstoffe, Vitamine oder Enzyme, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen in geschlossenen Systemen produziert werden. Folge des neuen Kennzeichnungs-Vorstoßes wären wahrscheinlich jede Menge gekennzeichnete Produkte im Supermarktregal. Schätzungen gehen von etwa 60 Prozent der Lebensmittel aus. Kritiker monieren, Verbraucher sollten so an die Gentechnik herangeführt werden und dem Argument folgen, Gentechnik wäre sowieso schon “überall drin”.
Wie aber eine solche Kennzeichnung nachher schlüssig überwacht werden soll, ist genau so unklar, wie die Frage, ob die Hersteller wirklich bereit sind, ihre Produktionsprozesse offen zu legen und das wäre wohl die Voraussetzung. Immer mehr Hersteller und Händler beweisen außerdem, dass es auch anders geht. Seit Mitte Januar steht die “Faire Milch” der Milchvermarktungs-GmbH Freising mit dem “Ohne Gentechnik”-Siegel in den Regalen. Es sind nicht nur ein paar Nischenanbieter, die mit der Produktion von Milch und Fleisch “ohne Gentechnik” vorankommen wollen: die Molkerei Campina , die Handelskette tegut, der Hähnchenproduzent Stolle und jetzt auch noch Lidl mit einem regionalen Pilotprojekt. Hier steht auf dem Produkt zwar noch nicht “ohne Gentechnik” drauf, sie kam aber trotzdem nicht zur Anwendung. Verbrauchern ist die Kennzeichnung übrigens wichtig: Laut einer neuen Umfrage ist für beinahe jeden fünften die Aufschrift “Ohne Gentechnik” Kauf entscheidend. Die Ernährungsindustrie steht also ganz offensichtlich unter Druck. Die Futtermittelwirtschaft genau so: Tierfütterung ohne Gen-Soja ist nicht möglich? Produziert wird, was verlangt wird und es ist unwahrscheinlich, dass eines der elementaren Gesetze des Marktes für Soja außer Kraft gesetzt wird.
Quelle: aid, Britta Klein
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Die Ernährungs- und Futtermittelbranche steht tatsächlich unter Druck. Jahrelang haben sie die Fahne für die Gnetchnik hochgehalten, sind nicht müde geworden das Mantra runter zu beten, dass die Tierfütterung ohne gentechnisch veränderte Pflanzen allenfalls etwas für Nischenmärkte sei. Der Schreck steckt ihnen in den Gliedern, plötzlich offenbart sich, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Viele Unternehmen lassen für ihre Produkte ohne Gen-Pflanzen füttern, immer mehr kennzeichnen ihre Waren mit dem “ohne Gentechnik” Siegel.
Wenn der Raiffeisenverband (DRV) und der BVE nun die Kennzeichnung aller Lebensmittel fordert, die an irgendeiner Stelle mit der Gentechnik in Berührung kamen, ist das KEIN Richtungswechsel in der Politik der Verbände, es ist lediglich ein Strategiewechsel, weiterhin mit dem ZTiel der Gentechnik im Lebensmittelsektor Tür und Tor zu öffnen. Es ist ein letztes Aufbäumen, bevor auch sie einsehen werden, dass sich der Wusch der Verbraucher durchsetzt.
Ich bin auch für eine Kennzeichnung von Milch, Eier und Fleisch, wenn die Tiere Gen-Pflanzen gefressen haben. Das ist aber ein extrem langer Geswetzesprozeß auf europäischer Ebene. Außer in Deutschland gibt es derzeit in keinem anderen EU Land eine ernstzunehmende Diskussion um diese Kennzeichnung. Wenn überhaupt, werden noch viele Jahre ins Land gehen, bevor eine solche Regelung gesetzlich verankert ist. In der Zwischenzeit brauchen wir andere Instrumente, die dem Verbraucher die Wahlfreiheit geben mit seinem Einkauf die Verfütterung und damit auch den Anbau von Gen-Pflanzen zu beeinflussen. Dafür wurde national die freiwillige “ohne Gentechnik” Kennzeichnung geschaffen.
Eine erweiterte Kennzeichnung “mit Gentechnik”, wie der BVE und der DRV (übrigens auch CDU und FDP, die genauso pro Gentechnik sind) sie fordert ist, egal wann sie kommt, mit großer Vorsicht zu genießen. Überspitzt gesagt will der DRV und Konsorten auch, dass Milch gekennzeichnet wird, wenn die Kuh nur von einem gentechnisch veränderten Bakterium geträumt hat. Informationen sind gut, man kann aber nicht alles in einen Topf schmeißen. Es besteht ein Unterschied, zwischen der Verfütterung von Gen-Pflanzen in großen Mengen und dem punktuellen Einsatz von Tiermedikamenten, die von Bakterien stammen, die auf einem Nährmedium gedeihen, das mit Hilfe von Gentechnik erzeugt wurde. Im ersten Fall werden Gen-Pflanzen in der Umwelt angebaut, verursachen einen höheren Einsatz von Agrargiften auf dem Acker, bewirken eine größere Abhängigkeit von Landwirten von der Agrarchemie, verbreiten sich unkontrolliert und machen eine gentechnikfreie Produktion auf Dauer unmöglich. Im zweiten Fall wird die Gentechnik in einer Fabrik eingesetzt, die gentechnischen Organismen gelangen nicht in die Umwelt. Wer die gleiche Kennzeichnung für beide Fälle will klärt nicht auf, sondern verschleiert!